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Heilkräuter in der alternativen Medizin

Ihre leichte Verwendbarkeit für häusliche Zwecke macht Heilkräuter auch heute noch so beliebt. So lässt sich zum Beispiel bei kleineren Unpässlichkeiten schnell ein Aufguss aus heilkräuter auf holzihnen zubereiten, der etwas Linderung in der ersten Not bringt. Auch viele Pflanzen, die eigentlich als Nahrungslieferanten angebaut werden, können manchmal bei der Besserung von leichteren Gesundheitsstörungen hervorragende Dienste leisten. Ein Bauerngarten beispielsweise ist voll davon: Kohl, Karotten, Sellerie, Zwiebeln, Knoblauch, Schwarze Johannisbeeren, Äpfel, Quitten und Zwetschgen wirken, richtig angewandt, so manches Mal nicht nur als Nahrungs- sondern auch als Heilmittel. Wer kennt es nicht, das englische Sprichwort vom Apfel, der den Arzt auf Distanz hält, wenn nur täglich eine der vitaminreichen Früchte verzehrt wird. Einige Küchenkräuter können auch als Heilpflanzen verwendet werden. Hier bieten sich unter anderem Majoran (Origanum majorana), Dost (Origanum vulgare) und Echter Thymian (Thymus vulgaris) an.

Von der Zauberpflanze zur Pflanzenheilkunde

Teure Medizin konnten sich früher nur wenige Menschen leisten. Die Meisten waren auf das angewiesen, was Garten und freie Natur hergaben. Das konnte jedoch bei entsprechendem Kräuter-Wissen schon eine ganze Menge sein. Fast überall war beispielsweise der anspruchslose Schwarze Holunder (Sambucus nigra) zu finden, der in der Volksmedizin seit langer Zeit eine tragende Rolle spielt. Die Ehrfurcht vor den heilsamen – aber möglicherweise auch Unheil bringenden – Kräften dieser Pflanze ging in alten Zeiten manchmal soweit, dass Männer vor ihr den Hut zogen.

hausmittel von omaVielen Pflanzen bzw. Pflanzenteilen wurden aufgrund ihres Aussehens bestimmte Heilwirkungen zugeschrieben. Die sogenannte Signaturlehre beschäftigte sich intensiv damit. Es war demzufolge nur logisch, dass die Kerne der Walnuss gut für das Gehirn sein müssen, da sie doch diese eindeutige Gestalt haben. Manchmal bestätigten sich solche Vermutungen zwar, doch oft waren sie auch falsch. Vom Aberglauben über kluge Beobachtung der Natur bis hin zur gegenwärtigen Pflanzenheilkunde war es ein weiter Weg voller Irrtümer, aber auch bahnbrechender Entdeckungen.

Heutige Generationen profitieren von den vielen Versuchen, die stattfinden mussten, um so mancher Pflanze ihr heilsames Geheimnis zu entlocken. Auch wenn etliche Inhaltsstoffe und Wirkungen einheimischer Heilpflanzen bereits bekannt sind, gibt es hier zukünftig noch vieles zu erforschen. Hinzu kommen die unzähligen exotischen Pflanzenschätze, deren bisher ungenutzte Wirkstoffe noch auf ihre Entdeckung bzw. Wiederentdeckung warten.

Wirkstoffe in Heilkräutern

Die Wirkung der Heilpflanzen beruht auf bestimmten Hauptwirkstoffen. Außerdem enthalten sie Begleitstoffe, welche die Wirksamkeit oft noch ergänzen oder verbessern. Es ist also häufig ein ganzer Wirkstoff-Komplex für die Heilwirkung einer Pflanze verantwortlich. Zu den bedeutsamen Wirkstoffen gehören unter anderem ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Schleimstoffe, Alkaloide und herzwirksame Glykoside.

Ätherische Öle:

ätherische öle aus heilkräuternViele Heilkräuter enthalten ätherische Öle. Ihr auffälligstes Merkmal sind die charakteristischen Düfte, die sie verströmen. Hohe Gehalte an ätherischen Ölen weisen beispielsweise die Früchte des Fenchels (Foeniculum vulgare), die Blüten des Echten Lavendels (Lavandula angustifolia), die Wurzeln des Liebstöckels (Levisticum officinale) und die Blätter der Zitronenmelisse (Melissa officinalis) auf. Der Begriff „ätherisch“ leitet sich vom griechischen Wort „aither“ ab, was soviel wie „Himmelsluft“ bedeutet. Das weist schon auf die Flüchtigkeit dieser Pflanzenstoffe hin. Ätherische Öle verflüchtigen sich oft bereits bei Raumtemperatur ohne Rückstände. Noch besser lassen sie sich jedoch mit Wasserdampf aus den Pflanzenteilen herauslösen. Das wichtigste Gewinnungsverfahren ist deshalb die Wasserdampfdestillation. Daneben gibt es noch andere Verfahren, wie zum Beispiel Enfleurage, Mazeration oder Extraktion. Auch durch das Auspressen, welches zum Beispiel bei den Fruchtschalen von Pomeranzen (Citrus aurantium ssp. aurantium) zur Anwendung kommt, können einige der begehrten ätherischen Öle gewonnen werden.

Bitterstoffe:

Dem Verdauungsapparat tun bei Störungen oft Bitterstoffe gut. Beim Kurieren von Beschwerden des Magen-Darm-Traktes können sie hilfreich sein. Sie sind Bestandteile vieler Magen-, Gallen-, Leber-, Abführ- und Stoffwechsel-Tees.

Gerbstoffe:

Die herb schmeckenden und zusammenziehenden Gerbstoffe wirken äußerlich gegen Hautschäden und innerlich gegen Schleimhautdefekte. Sie sind häufig in Mund- und Gurgelwässern, Tinkturen, Haarwässern, Badezusätzen und Mitteln gegen Hämorrhoiden enthalten. Typische Gerbstoffdrogen sind unter anderem das Kraut der Brombeere (Rubus fruticosus), die Rinde der Stieleiche (Quercus robur) sowie die Blätter von Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Pfefferminze (Mentha x piperita), Echtem Salbei (Salvia officinalis) und Echter Walnuss (Juglans regia).

Schleimstoffe:

Diese schleimigen, quellenden Pflanzenstoffe wirken vor allem positiv auf entzündete Schleimhäute im Rachen-, Magen- und Darm-Bereich ein. Oft befinden sie sich als Wirkstoffe in Husten- oder Abführmitteln. Bekannte Schleimstoff-Drogen sind zum Beispiel die Wurzeln des Echten Eibisches (Althaea officinalis), Blätter und Blüten der Wilden Malve (Malva sylvestris), das Kraut des Spitzwegerichs (Plantago lanceolata) sowie die Blüten der Stockrose (Alcea rosea).

Alkaloide:

Sehr starke physiologische Wirkungen gehen von diversen Alkaloiden aus. Diese stickstoffhaltigen Verbindungen bringen einige der stärksten Pflanzengifte hervor. Für die Selbstbehandlung sind viele Alkaloid-Drogen deshalb nicht zugelassen. Allerdings verdankt die Menschheit diesen Wirkstoffen auch äußerst hilfreiche und wichtige Medikamente. Das aus der Chinarinde gewonnene Chinin wird beispielsweise zur Malaria-Behandlung eingesetzt. Morphin aus den Samenkapseln des Schlafmohns (Papaver somniferum) ist ein sehr starkes Schmerzmittel. Allerdings wird es mitunter auch als Rauschdroge missbraucht.

Herzwirksame Glykoside:

Diese Stoffe können die Funktion des Herzens beeinflussen. Auch sie wirken bei falscher Anwendung als starke Gifte. Pflanzen mit solchen Inhaltsstoffen, wie zum Beispiel der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea), sind ebenfalls nicht für „Experimente“ im Bereich der Selbstmedikation geeignet.

Anthrazenderivate:

Sie wirken auf den Dickdarm und werden bei chronischer Verstopfung als pflanzliche Abführmittel eingesetzt. Dauergebrauch sollte jedoch, wie so oft, auch hier vermieden werden.

Flavonoide:

Flavonoide sind natürliche Farbstoffe der Pflanzen. Der Begriff ist vom lateinischen Wort „flavus“ abgeleitet, was „gelb“ bedeutet. Jedoch werden auch viele andere Pflanzenfarben durch Flavonoide gebildet. Forscher vermuten zahlreiche positive Wirkungen auf die menschliche Gesundheit, die eventuell durch diese sogenannten sekundären Pflanzenstoffe unterstützt werden.

Kieselsäure:

Kieselsäure ist am Aufbau des Bindegewebes beteiligt. Sie kann in manchen Fällen die Wirkung anderer Pflanzenbestandteile unterstützen. Reich an diesem Stoff ist zum Beispiel das Kraut des Ackerschachtelhalms (Equisetum arvense).

Stärken:

Stärken sind weiße, pulverförmige Stoffe, die unter anderem als pharmazeutische Hilfsstoffe Verwendung in Schüttelmixturen, Pasten, Kapseln und Streupulvern finden.

Fette und fette Öle:

Bestandteile vieler pharmazeutischer Zubereitungen sind Fette und fette Öle. Sie können ranzig werden, das heißt, sie verändern ihre Farbe und nehmen einen unangenehmen Geruch an. Außerdem dicken sie mit der Zeit ein. Am besten werden sie kühl und vor Licht geschützt aufbewahrt. Beispiele sind Erdnussöl (Oleum Arachidis), ein in der Pharmazie verwendeter Grundstoff für Arzneiöle, Emulsionen, Pasten und Salben sowie Rizinusöl (Oleum Ricini), das eine abführende Wirkung hat.

Wachse:

Weitere pharmazeutische Hilfsstoffe, die zum Teil aus Pflanzen gewonnen werden, sind die Wachse. Sie verändern ihre chemischen Eigenschaften während der Lagerung kaum. Ein sehr hartes Naturwachs ist Carnaubawachs (Cera Carnauba). Es wird aus einer Wachspalmenart gewonnen und unter anderem für Überzüge von Tabletten verwendet.

Es gibt noch etliche weitere Pflanzenwirkstoffe, die in der Pharmazie Anwendung finden. So können zum Beispiel auch Saponine, Harze, Gummiharze, Balsame und eingetrocknete Milchsäfte bei fachkundiger Verwendung zu segensreichen Helfern aus der scheinbar unendlich großen „Apotheke der Natur“ werden.

Zubereitungen aus Heilpflanzen

Wässrige Auszüge sind im Hausgebrauch eine relativ einfache Möglichkeit, um bestimmte Wirkstoffe diverser Heilpflanzen zu erschließen. Diese können auf verschiedene Weise hergestellt werden. Es wird dabei, je nach Art der Zubereitung, zwischen Aufguss, Abkochung und kaltem Auszug unterschieden. Für eine Abkochung befinden sich die Pflanzenteile direkt im siedenden Wasser, während sie für einen Aufguss nur mit solchem übergossen werden. (vgl. http://www.digitalefolien.de/biologie/pflanzen/heilk/arznei.html) Der kalte Auszug ist ein sehr schonendes Verfahren. Allerdings werden dabei Inhaltsstoffe oft nur unvollständig herausgelöst. Nicht alle Zubereitungsformen eignen sich auch für jede Heilpflanze. Beschaffenheit und Wirkstoffe sind ausschlaggebend für die Art des Verfahrens.

Aufbewahrung

Einige Grundregeln für die dauerhafte Aufbewahrung von getrockneten Heilpflanzen sollten immer beherzigt werden, damit ihre gewünschte Wirkung möglichst lange erhalten bleibt und – zum Beispiel durch Verunreinigungen oder Schimmel – keine zusätzlichen Gesundheitsrisiken entstehen. Die trockenen und sauberen Gefäße müssen gut schließen, um den Inhalt bestmöglich vor Luft, Staub und Insektenfraß schützen zu können. Licht und übermäßige Wärme tun vielen pflanzlichen Drogen ebenfalls überhaupt nicht gut. Alle Heilkräuter haben nur eine begrenzte Haltbarkeit. Es sollte daher in regelmäßigen Abständen überprüft werden, ob sich die Pflanzenteile noch in verwertbarem Zustand befinden. Ist das nicht der Fall, so wird besser der gesamte Gefäßinhalt entsorgt, auch wenn evtl. nur Teile davon unbrauchbar erscheinen. Pflanzliche Drogen verschiedenen Alters sollten nicht miteinander vermischt werden. Sinnvoll ist es auch, die Aufbewahrungs-Gefäße so zu beschriften, dass sich der Inhalt und dessen Alter zweifelsfrei feststellen lassen.

Vorsicht, Gift!

„Die Dosis allein macht das Gift.“ So lautet ein viel zitierter Satz. Es kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, dass besonders im medizinischen Bereich in vielen Fällen das Heilsame und das Schädliche gefährlich nahe beieinander liegen. Fingerhut-Arten (Digitalis), Tollkirsche (Atropa belladonna), Gemeiner Stechapfel (Datura stramonium), Schwarzes Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), Eisenhut-Arten (Aconitum), Maiglöckchen (Convallaria majalis), Herbstzeitlose (Colchicum autumnale), Seidelbast (Daphne mezereum), Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Gemeiner Goldregen (Laburnum anagyroides) und Pflanzen mit ähnlich starker Giftwirkung gehören keinesfalls in die Hausapotheke, sondern ausschließlich in die Hände von Fachleuten!

Auch im Garten wird lieber auf sie verzichtet, wenn Haustiere, unwissende Erwachsene und neugierige Kinder nicht in tödliche Gefahr gebracht werden sollen. So gilt der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus, vgl. http://www.giftpflanzen.com/aconitum_napellus.html) zum Beispiel als die giftigste Pflanze, welche die europäische Natur zu bieten hat. Bei der Anwendung von Heilpflanzen darf nie etwas verwendet werden, das nicht eindeutig identifiziert werden kann. Es treten sonst mitunter Verwechslungen auf, die gesundheitliche Schäden hervorrufen können.
kraeuter aus der aphothekeWer sich beim Sammeln nicht absolut sicher ist, der sollte lieber in der Apotheke nach der gewünschten Pflanze fragen. Hier gibt es bei Bedarf auch kompetente Hinweise zur richtigen Anwendung gratis dazu. Außerdem haben die dort erworbenen Heilkräuter eine erstklassige Qualität und kaum Schwankungen in ihren Wirkstoffgehalten aufzuweisen. Verschmutzungen durch Straßenstaub, Abgase oder chemische Mittel sind hier ebenfalls nicht zu befürchten.

Schwangere, Stillende, Kinder und alte Menschen sind immer als „Sonderfälle“ zu betrachten. Auch viele chronische Erkrankungen oder Allergien bedingen einen vorsichtigen Umgang mit den sogenannten „harmlosen Hausmittelchen“. In jedem dieser Fälle sollte zuerst der Arzt befragt werden, ob eine bestimmte Heilpflanze angewendet werden darf. Heilkräuteranwendungen ohne ärztliche Empfehlung dürfen immer nur als „Erste-Hilfe-Maßnahme“ bei sogenannten „Bagatell-Erkrankungen“, wie zum Beispiel einer Erkältung, verstanden werden. Lassen die Beschwerden nicht innerhalb kurzer Zeit nach, sollte der Gang in die Arztpraxis keinesfalls weiter aufgeschoben werden.

Heilkräuter vom Arzt

Immer mehr Ärzte besinnen sich auf die Kraft von Heilkräutern und die Vorteile der alternativen Medizin. War diese Art der Behandlung vor einigen Jahren nur bei einigen wenigen Homeopathen möglich, die aufgrund ihres Wissens auch sehr lange Wartezeiten für Patienten hatten, und wo eine Aufnahem in die Patientenkartei oft überhaupt nicht mehr möglich war, haben sich in letzte Zeit auch viele junge Ärtze der alternativen Medizin verschrieben. Allgemeine Ärzte, oder „Hausärzte“ wie sie im Volksmund auch genannt werden, bilden sich im Bereich der Heilkräuter fort, und ermöglichen Ihren Patienten so eine umfassende Behandlung.

Auch einige private Krankenkassen sind diesem Trend gefolgt, und haben alternative Behandlungsmethoden mit in ihr Leistungsspektrum (vgl. http://www.krankenkassen.net/private-krankenversicherung/zusaetzliche-leistungen.html ) aufgenommen. Wenn man sich für eine neue private Krankenversicherung entscheiden will, sollte man diese zusätzlichen Leitungen unbedingt Beachten, denn gerade bei alternativer Medizin gibt es hier doch gravierende Unterschiede.

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