Die Kräuterschnecke

Die Kräuterschnecke, welche aufgrund ihrer Form auch als Kräuterspirale bezeichnet wird, ist ein Gartenelement der sogenannten „Permakultur“. Sich spiralförmig nach oben windend wächst dieses spezielle Beet in die dritte Dimension und bietet auf engstem Raum vielen Kräutern mit ganz unterschiedlichen Standortansprüchen eine Heimat. Ähnlich wie im Steingarten speichern die Mauern die Wärme der Sonne und geben sie langsam wieder an die Pflanzen ab. Davon profitieren vor allem Kräuter, die in der Mittelmeerregion heimisch sind. Werden die Windungen der Kräuterschnecke als Trockenmauer ausgeführt, so finden in den vielen Nischen, die sich dadurch ergeben, bald zahlreiche Tiere Unterschlupf. Die Kräuterschnecke wird von Leben erfüllt sein.

Standort, Vorteile und Verwendungsmöglichkeiten

Für die Platzierung der Kräuterspirale ist ein sonniger Standort ideal, da die Mehrheit der Kräuter dort am besten gedeiht. Eine Nord-Süd-Ausrichtung garantiert die optimale Ausnutzung des Sonnenlichtes. Dabei sollte sich der „Eingang“ im unteren Bereich der Spirale in südlicher Richtung befinden. Die Nordseite ist am besten für Schattenpflanzen geeignet. „Sonnenanbeter“ finden im oberen Bereich ihren Platz. Ein großer Vorteil der Kräuterschnecke besteht darin, dass relativ viele Pflanzen auf engem Raum untergebracht werden können. Für Gärten, in denen wenig Pflanzfläche zur Verfügung steht, ist der Bau auf jeden Fall eine Überlegung wert. Auf der Kräuterspirale ist immer „etwas los“: Zahlreiche Insekten tummeln sich hier, Eidechsen sonnen sich auf den warmen Steinen, die meisten Kräuter wachsen sehr schnell und es gibt über lange Zeiträume hinweg etwas zu ernten. Das macht sie zu einer besonderen Attraktion in Kinder- und Schulgärten. Für Innenhöfe, die über eine ausreichende Besonnung verfügen, wäre sie ebenfalls eine hübsche Bereicherung.

eine kräuterschnecke aus steinen

Kräuterschnecke aus Steinen – Foto: meglet127, flickr.com

Die unterschiedlichen Pflanz-Zonen

Die klassische Kräuterschnecke wird in vier unterschiedliche Pflanz-Zonen aufgeteilt. Zwischen den beiden Extremen „nass“ und „trocken“ liegen die sonnige und humusreiche Feucht-Zone sowie die ebenfalls mit Humus angereicherte, aber idealerweise im Halbschatten liegende Normal-Zone, welche schon teilweise mit Sand- und Kalk-Anteilen durchsetzt und dadurch insgesamt etwas magerer ist. Jedoch gestalten sich die Übergänge fließend. Es sollten Raum und Zeit zum Beobachten und Experimentieren eingeplant werden. Wer sich sklavisch an Kulturanweisungen auf Samentüten und Pflanztöpfen hält, wird ebenso Enttäuschungen erleben wie jemand, der die Standortansprüche der Pflanzen völlig ignoriert. Zu unterschiedlich sind die verschiedenen Einflüsse, die im Laufe des Jahres auf die Kräuter einwirken, als dass sie alle aufgelistet werden könnten. Hier helfen sorgfältige Beobachtung sowie ein wenig Geduld und Ausdauer.

Die Wasser- oder Sumpf-Zone besteht aus einem Miniteich für Wasserpflanzen, wie zum Beispiel Brunnenkresse (Nasturtium officinale). Daran schließt sich im unteren Bereich der Kräuterschnecke die Feucht-Zone an, die einer Vielzahl von Pflanzen gute Wachstums-Bedingungen bietet. Dazu gehören unter anderem Schnittlauch (Allium schoenoprasum), Zitronenmelisse (Melissa officinalis) und Frauenmantel (Alchemilla mollis).

Die nun folgende Normal-Zone beherbergt auf ihrem Weg nach oben beispielsweise Ringelblume (Calendula officinalis), Borretsch (Borago officinalis) und Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus).

Den Abschluss im oberen Bereich der Spirale bildet die Mittelmeer-Zone. Hier ist der durchlässige Boden sehr mager und sandig-trocken. Es wird zusätzlich Kalk unter das Pflanzsubstrat gemischt. Diesen Boden lieben vor allem die mediterranen Kräuter wie Echter Lavendel (Lavandula angustifolia), Schopflavendel (Lavandula stoechas), Salbei (Salvia officinalis), Ysop (Hyssopus officinalis), Dost (Origanum vulgare), Majoran (Origanum majorana), Bergbohnenkraut (Satureja montana) und viele Thymian-Arten bzw. -Sorten.

Pflanzen, die sehr groß werden, wie zum Beispiel Liebstöckel, eignen sich nicht so gut für die Kräuterspirale und sollten lieber außerhalb einen Platz bekommen. Auch Gewächse, die zahlreiche Wurzelausläufer bilden oder deren Wurzelwachstum sehr stark ist (z. B. Estragon, Minze, Meerrettich) sind in einem anderen Teil des Kräutergartens sicher besser aufgehoben. Doldenblütler (z. B. Petersilie) und Kreuzblütengewächse (z. B. Rucola) sollten nicht mehrmals hintereinander am selben Platz angebaut werden. Deshalb ist die Ansiedlung auf der Kräuterschnecke, wenn überhaupt, immer nur im Abstand von einigen Jahren ratsam.

Tipps zum Bau einer Kräuterschnecke

eine kräuterspirale mit bepflanzung

Eine schöne Kräuterspirale – Foto: Muffet, flickr.com

Die besten Zeiten für das Anlegen einer Kräuterschnecke sind das Frühjahr oder der Herbst. Zur Vermeidung von unnötigem Aufwand und zu hohen Geldausgaben empfiehlt sich vor der Bauausführung die theoretische Beschäftigung mit dem Thema. Dazu bieten Bibliotheken und Buchhandlungen inzwischen eine große Auswahl von Fachliteratur an. Aber auch in den ortsansässigen Gartenbau-Betrieben kann kompetenter Rat eingeholt werden. Die Baumaterialien bestehen im Wesentlichen aus grobem Kies, Schotter oder Bauschutt für den Unterbau sowie aus Klinkern, Natur- oder Ziegelsteinen für die Errichtung der spiralförmigen Mauer. Sand und Kalk werden für die Mischung der verschiedenen Pflanzsubstrate benötigt. Kompost und humose Erde dürften sowieso in jedem Garten vorhanden sein.

Für den Miniteich der Sumpf-Zone werden Teichfolie, ein wasserdichtes Gefäß oder eine fertige Teichform benötigt. Auf die Schadstoff-Freiheit aller Baumaterialien ist besonders zu achten, da die meisten Kräuter in der Regel zum Verzehr oder für andere körpernahe Anwendungen angebaut werden. Natursteine passen sehr gut zum ursprünglichen, etwas wilden Erscheinungsbild der Kräuterspirale. Ein wenig gemäßigter und „ordentlicher“ wirken Klinker oder Ziegelsteine. Letztere müssen aber frostbeständig sein, da ihnen sonst keine lange Lebensdauer beschieden ist. Für die gewundene Mauer bietet sich die Ausführung in Trockenmauer-Bauweise an. Ohne Mörtelverbindung werden die Steine dabei kontinuierlich ansteigend und mit leichter Neigung nach innen aufeinander geschichtet. Dabei dürfen sie nicht hochkant verbaut werden, denn das würde zu Instabilität führen. Die Kräuterschnecke sollte einen Durchmesser von mindestens 2,00 m haben. Das Innere der Spirale kann ca. 80 cm hoch werden.

Für die Standfestigkeit, die Drainage und den Frostschutz ist es wichtig, einen geeigneten Unterbau aus grobem Kies, Schotter oder Bauschutt zu schaffen. Bevor die Kräuterschnecke bepflanzt wird, sollte sich alles zunächst etwas setzen. So kann nach dem ersten Regenguss bei Bedarf noch einmal Erde aufgefüllt werden. Nachdem dann alle Pflanzen ihren Platz auf der Spirale gefunden haben, können sie noch mit entsprechenden Namens-Schildern versehen werden. Das sieht dekorativ aus und erleichtert die Suche nach dem passenden Kraut. (Quelle: gartentipps.net)

Achtung! Auch in einem Miniteich könnten Kleinkinder ertrinken. Auf die entsprechende Beaufsichtigung bzw. Absicherung muss, wie bei allen anderen Gartengewässern, auch hier unbedingt geachtet werden!

Geeignete Kräuter für die Bepflanzung

Einjährige Kräuter: Für farbenfrohe Überraschungen und gelungene Zufalls-Kombinationen mit anderen Gewächsen sorgen einjährige Pflanzen wie beispielsweise Ringelblumen oder Borretsch. Diese säen sich gern und zahlreich selbst aus und „wandern“ auf diese Weise über die gesamte Kräuterschnecke. So nehmen sie dem Gärtner manche Entscheidung über den passenden Standort ab.

Gewürztagetes (Tagetes tenuifolia) sind wahre Dauerblüher, die vom Juni bis zum ersten Frost große Mengen zarter Blüten in Orange- und Gelb-Tönen hervorbringen. Da Schnecken diese Pflanzen sehr mögen, sind sie auf der Kräuterspirale sicher besser aufgehoben als in einem ebenerdigen Beet. Für viele ist Dill (Anethum graveolens) als Gewürz unverzichtbar. Ganz nebenbei sieht dieses Küchenkraut auch noch überaus dekorativ aus und bringt mit seiner zarten Textur Leichtigkeit in jede Pflanzung. Dill sät sich in den Folgejahren nach einem gezielten Anbau oft von selbst aus und sollte am besten an Ort und Stelle belassen werden, da er sich ungern verpflanzen lässt. Es gibt auch sogenannten Topf-Dill, dessen Wuchs buschiger und niedriger ist. Aufgrund dieser Eigenschaft eignet er sich gut für die Aussaat auf eng begrenztem Terrain.

Die Anzucht von Kapuzinerkresse gelingt relativ leicht. Schon aus diesem Grund lohnt sich der Versuch, sie in der Kräuterschnecke anzusiedeln. Sie verträgt sowohl volle Sonneneinstrahlung als auch Halbschatten. Das Gießen darf aber nicht vergessen werden. Es existieren Sorten, die weniger stark wuchern. Diese sind für den Anbau auf der Kräuterspirale die bessere Wahl. Leider wird die Kapuzinerkresse, genau wie Ringelblumen und Borretsch, oft von Blattläusen befallen. Der aromatische Majoran ist nicht nur bei den Menschen als Küchengewürz beliebt, sondern eignet sich auch als Bienenweidepflanze. Ein wenig frostempfindlich ist er jedoch und sollte deshalb erst ab Mitte Mai direkt ins Freiland gesät werden.

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Mehrjährige Kräuter

Allein mit verschiedenen Thymian-Arten und -sorten könnte schon ein großer Teil der Pflanzfläche auf der Kräuterspirale ausgefüllt werden. Gut in der Küche verwenden lässt sich der Echte Thymian (Thymus vulgaris). Zitronenthymian (Thymus citriodorus) hat gelb oder weiß gerandete Blätter und verströmt ein intensives Zitronen-Aroma.

Die Triebe des Kaskaden-Thymians (Thymus longicaulis ssp. odoratus) ranken anmutig über die Mauern der Kräuterschnecke hinweg. Kriechende Rosmarin-Sorten werden nicht so hoch wie ihre aufrecht wachsenden Verwandten, mögen Sonne und passen wie der Thymian thematisch gut in die mediterrane Zone. Allerdings benötigen sie im Winter Frostschutz. Eine gänzlich anspruchslose und unempfindliche Pflanze ist hingegen die Tripmadam (Sedum rupestre bzw. Sedum reflexum).

Dieses Gewächs lässt sich in den Mauerspalten ansiedeln und ist mit sehr trockenen Standorten durchaus zufrieden. In der vollen Sonne kann es sich jedoch manchmal unkrautähnlich vermehren. Niedrig und kompakt wächst der Zwerg-Ysop (Hyssopus officinalis ssp. aristatus), was dem begrenzten Platzangebot auf der Kräuterschnecke entgegenkommt. Er ist ein „Insektenmagnet“, wie viele der Mittelmeer-Kräuter. Auch Lavendel, Salbei, Dost und Thymian tun sich in dieser Beziehung besonders hervor. Varianten der Zitronenmelisse sind Melissa officinalis ‚Variegata‘ mit weißbuntem und ‚Aurea‘ mit gelbem Laub.

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Pflanz-Themen für Kräuterschnecken

Eine Kräuterspirale kann auch passend zu bestimmten Themengebieten gestaltet werden. Hier bietet sich beispielsweise eine Sortierung nach Tee-, Gewürz-, oder Heilkräutern an. Ebenso würde sicher eine Sammlung von Färbepflanzen oder Duftkräutern dort ihren Platz finden. Für naturnahe Gärten ist die Anpflanzung von Schmetterlings- und Bienenweidepflanzen eine schöne und nützliche Idee. Unter den einheimischen Wildkräutern gibt es viele, die hier geeignete Standortbedingungen vorfinden würden. Ihre Anspruchslosigkeit und Robustheit machen den Pflegeaufwand überschaubar. Viele werden überrascht sein, wie attraktiv so manches als Unkraut verpönte Gewächs wirken kann.

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